Die Künstlerinnen Milica Reinhart/Hagen und Marjan Verkerk/Amsterdam haben im Laufe von vier Jahren das Kunstprojekt „Die Sehnsucht nach Ebene II“ für die Hochbrücke an der Altenhagener Brücke entwickelt. In diesem Hagener Viertel leben Menschen aus 82 Nationen. Milica Reinhart und Marjan Verkerk führten Interviews mit den Anwohnerinnen und befragten sie nach den Farben ihrer Erinnerung. Ihre Farben und Handschriften sind für die beiden Malerinnen Ausgangspunkt für die künstlerische Umgestaltung und Lichtinstallationen an der Brücke.
Die Altenhagener Brücke ist den Menschen aus Hagen und auch überregional bekannt. Sie ist 40.000 Autofahrern täglich ein Begriff, als schnelle Verbindung zur A1, als Verkehrsknotenpunkt in der City, als Tor in den Stadtteil - oder auch als städtebauliches Ärgernis. Viele Menschen leben dicht gedrängt mit und um die Brücke. Etliche sind dort groß geworden und haben sich mit dem verbauten Blick oder dem Einblick der Autofahrer in ihr Wohnzimmer arrangiert. Gefragt wurden sie nie, wie es sich dort lebt, woher sie kommen, wovon sie träumen, wonach sie sich sehnen.
Milica Reinhart, Künstlerin aus Hagen und gebürtige Kroatin, und
Marjan Verkerk, Künstlerin aus Amsterdam, fragten nun die Menschen, vor allem die Frauen, aus Marokko, Kenia, Nigeria, aus Griechenland, der Türkei, aus Bosnien, Serbien und Portugal, Polen, Russland, Italien und Brasilien nach ihrer Geschichte und nach den Farben ihrer Heimat und Erinnerung. Zum ersten Mal stehen nun die Menschen in diesem Viertel - ihre Geschichten, ihre Erinnerungen und ihre Zukunftsvorstellungen - im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.
Die so entstandenen Skizzen der Farberinnerungen bilden nun die Grundlage für die Gestaltung der Brücke. Auf einer Länge von 450 Metern wird die Brücke 2008 saniert und gestaltet: mit den Farben dieser Erinnerungen. Zudem wird das Wort „Brücke“ in vielen Sprachen durch handschriftliche Leuchtbuchstaben weithin sichtbar sein. Die Ergebnisse, Skizzen, Portraits wurden im Januar 2007, gemeinsam mit dem Film „1 m² Stadt und eine Brücke“ von
Ute Badura und einer Computer-Videoanimation von Yvonne
Teuben, in einer Ausstellung im Gloria-Kino in Hagen zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorgestellt.
Das Projekt macht eines deutlich:
Die Sehnsucht nach Ebene 2 mobilisiert die Menschen in der gesamten Stadt und zeigt, dass dieser künstlerische Prozess beispielhaft eine neue Lebensqualität, ungewohnte Begegnungen und eine lebhafte Verständigung ermöglicht.
Koordiniert wird das Projekt Die Sehnsucht nach Ebene 2 von
Tina Jerman / EXILE-Kulturkoordination, in Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Hagen. Zahlreiche Bürgerinnen, Bürger und Untenehmen unterstützen das Projekt mit Geld- und Sachspenden. Auch überregional ist man auf das Hagener Projekt aufmerksam geworden: Das Land NRW hat finanzielle Unterstützung zugesagt und das auch Büro für die Kulturhauptstadt - Ruhr.2010 hat Interesse angemeldet.
www.sehnsuchtnachebene2.de